Überschrift

Erfahrungen der mitwirkenden Autorin Heike Ellermann
Erfahrungsbericht

Frühkindliche Leseförderung

Workshops von Autorinnen und Autoren in Kindertagesstätten

BERICHT des Projekts 2005:

Ziele

Der Friedrich-Bödecker-Kreis e.V. hat mit Unterstützung des Niedersächsischen Kultusministeriums Ende des Jahres 2005 ein Projekt zur Leseförderung in Kindertagesstätten durchgeführt. Das konzipierte und vorgestellte Projekt sollte in einer Pilotphase bis zum Ende des Jahres 2005 in sechs ausgewählten Kindertagesstätten von unterschiedlichen Trägen in der Stadt Hannover ausprobiert werden.

Ziel des Projekts war, spezifische Formen der frühkindlichen Leseförderung, die in der Arbeit des FBK eine besondere Rolle spielen, vorzustellen. Es sollte gezeigt werden, dass die Begegnung, das lebendige Gespräch und kreative Formen des Umgangs mit Geschichten bei Kindern auf jeden Fall nachhaltige Wirkungen im Hinblick auf die Leseförderung erzielen. Gleichzeitig sollten die Fachkräfte der Kindertagesstätten praktische Beispiele für die frühe Leseförderung, die anregender und langfristiger wirken als Broschüren oder sonstige theoretische Anleitungen, erleben. Die Veranstaltungen sollten ebenfalls einen Impuls für die Eltern und deren Leseerziehung geben.

Durchführung

Folgende Kindertagesstätten beteiligten sich an dem Projekt:

  • Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt, Wiehbergstr. 10, Hannover-Döhren
  • Kindertagesstätte St. Benedikt (kath. Kirche), Stromeyerstr. 5A, H.-List
  • Ev.-luth. Kindertagesstätte Neustädter Hof, Wagener Str. 17, H.-Calenberg
  • Kindertagesstätte Wietzegraben (DPWV), Wietzegraben 78, H.-Sahlkamp
  • Städt. Kindertagesstätte Vinnhorster Weg, Vinn.Weg 152, H.-Vinnhorst
  • DRK-Kindergarten Bemerode, Friedrich-Wulfert-Platz 1, H.-Bemerode (Kronsberg)

Je drei Kindertagesstätten wurden von den Autoren/innen und Ilustratoren/innen Heike Ellermann und Andreas Röckener besucht. Informationen zu den Autoren befinden sich im Anhang. Sie leiteten je zwei Workshops mit den Kindern und die Gespräche mit den Eltern. Frau Ellermann hat über ihre Erfahrungen in diesem Projekt einen persönlichen Bericht geschrieben (siehe Anhang). Die Elternabende und Elterngespräche wurden durch Insa Bödecker und Udo von Alten begleitet.

Alle Kindertagesstätten bekamen für das Projekt von der jeweils zuständigen Stadtteilbibliothek eine Bücherkiste mit Bilderbüchern und Bücher zum Vor- und Selbstlesen sowie einer Reihe von Titeln zur Leseerziehung. Für die beteiligten Kindertagesstätten wurde je ein Ordner „Ideen, Projekte, Erfahrungen zum spielerischen Umgang mit Büchern im Kindergarten“ der Stiftung Lesen angeschafft und für die Mitarbeiter und Eltern zur Verfügung gestellt.

Auswertung

Die Kontaktaufnahme mit den Kindertagesstätten war relativ problemlos. Das Interesse an dem Leseförderungsprojekt war so groß, dass alle angefragten Kindertagesstätten es gern durchgeführt hätten. Zwei mussten allerdings wegen Terminschwierigkeiten passen.
Die Terminierung des Projekts auf das Ende des Jahres (Dezember) war problematisch, da auf Seiten der Kindertagesstätten in diesem Zeitraum sehr viele andere Aktivitäten und Termine anstanden. Insbesondere die Durchführung von Elternabenden in diesem Zeitraum war schwierig. Dennoch konnte das Projekt wie geplant durchgeführt werden. Vermutlich wäre zu einem anderen Zeitpunkt die Vorbereitung durch die Mitarbeiter der Kindertagesstätten entspannter und intensiver verlaufen. Dies betrifft insbesondere die Ansprache der Eltern. Zwei Kindertagesstätten führten grundsätzlich keine Elternabende durch, weil die Eltern nach Meinung der Erzieher dort nicht zu aktivieren seien. Dabei handelt es sich um die Kindertagesstätten in den sozialen Brennpunkten mit sehr hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund (Vinnhorst, Bemerode/Kronsberg). Zwei mussten aus Termin- und Vorbereitungsgründen passen und zwei Kindertagesstätten haben einen Elternabend durchgeführt. Wenn kein Elternabend organisiert werden konnte, wurde in den entsprechenden Kindertagesstätten ein Bücher- und Informationstisch für die Eltern aufgebaut. Am Nachmittag, wenn die Kinder abgeholt wurden, konnte man mit ihnen ins Gespräch kommen. Einige Eltern haben auch an den Nachmittagsworkshops teilgenommen.
Elternabende fanden in der AWO-Kita in Döhren und der Ev.-luth. Kindertagesstätte Neustädter Hof statt. Der letztere war nicht so gut besucht (7 Teilnehmer), aber mit intensiven Gesprächen mit Andreas Röckener und Insa Bödecker sehr erfolgreich. Der Elternabend bei der AWO war gut besucht (17 Teilnehmer ist sehr viel für einen Elternabend). Neben den Eltern waren einige Mitarbeiter und die Fachberatung der AWO anwesend. Heike Ellermann und Udo von Alten (FBK) gestalteten den Abend. Am Beispiel der von Frau Ellermann vorgestellten Geschichten entspann sich ein sehr gutes und intensives Gespräch (siehe auch Anlage, Berichtsbogen). Die Mitarbeiter der AWO-Kita hatten schon Erfahrungen mit Autorenbegegnungen und Workshops durch den Friedrich-Bödecker-Kreis, so dass sie wahrscheinlich den Elternabend zielgerichtet und mit mehr Hintergrundwissen vorbereiten konnten. Kindertagesstätten, die noch keine Erfahrungen mit Autorenbegegnungen hatten, reagierten zunächst zögerlich. Nachdem sie aber die Veranstaltungen und die Reaktionen der Kinder miterlebt hatten, wurde die Unterstützung doch viel konkreter und nachhaltiger. Eine kontinuierliche Arbeit würde sich sicher auszahlen.
Die Workshops mit den Kindern verliefen ausnahmslos sehr erfolgreich. Hier hat sich bewährt, dass wir erfahrene Autoren/innen eingesetzt haben, die sich auch auf außergewöhnliche Gruppen gut einstellen konnten. Der sehr hohe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in den Kitas erfordert manchmal eine besondere Vorgehensweise, da einige Kinder (noch) große Sprachprobleme haben. Aber durch den Einsatz spielerischer und kreativer Elemente konnten auch sie für die Geschichten und die Bücher begeistert werden. Wenn durch die Veranstaltungen das Interesse an Büchern geweckt wird, tragen es die Kinder auch in ihre Familien weiter. Bei ausländischen Kindern sind dies häufig auch die Geschwister und die Großeltern, die die Kinder abholen.
Die Finanzierung der Veranstaltungen ist ein Problem. In diesem Projekt hatten wir vorgesehen, dass die Kitas einen relativ geringen Eigenanteil aufbringen. Es war manchmal nicht leicht, die Kitas zu überzeugen, dass die geringe Summe notwendig ist. Wir mussten Zugeständnisse machen. Gerade in sozialen Brennpunkten achten die Kitas sehr darauf, was und wie viel sie den Eltern finanziell zumuten. Die Etats der Träger für Anschaffungen und Veranstaltungen sind oft sehr unzureichend. Außerdem spielt bei den Workshops die Größe der Gruppen eine Rolle. Es sind in der Regel ungefähr 15 Kinder, die für einen Workshop zusammen kommen, so dass das Umlegen der Kosten auf die Teilnehmer schwierig ist. Ideal wäre ein Etat für Leseförderungsveran-staltungen, aber das ist derzeit wohl eher eine Utopie.
Die Zusammenarbeit mit den Stadtteilbibliotheken war problemlos. Die Bücherkisten waren rechtzeitig zur Stelle. Die meisten Kitas hatten Kontakt zu ihren Bibliotheken, wenn auch nicht alle regelmäßig, und die Stadtteilbibliotheken haben gern die Gelegenheit genutzt sich den Kitas wieder in Erinnerung zu bringen. Da gibt es sicher auch noch Verbesserungspotential, allerdings abhängig von der Personalsituation der Bibliotheken (die wir nicht beurteilen können).

Fazit

Das Projekt kann als Modell für weitere Aktivitäten in dieser Richtung dienen. Die Vorbereitung und Terminierung sollte langfristig erfolgen. Um die Mitarbeiter der Kindertagesstätten stärker einbeziehen zu können, sollte Leseförderung in den Einrichtungen regelmäßig Thema von Fortbildungen der Träger sein. Dafür steht der Friedrich-Bödecker-Kreis e.V. mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen zur Verfügung.