Celler Jugendbuchwoche – Ein Beispiel

Die Jugendbuchwoche, wie sie der Friedrich-Bödecker-Kreis konzipiert hat, will möglichst viele Kinder und Jugendliche mit möglichst vielen Autorinnen und Autoren zusammenbringen, und die Öffentlichkeit soll erfahren, dass das eine spannende, eine kreative, eine nachhaltige Begegnung ist. Sagen wir es ruhig laut: Wir möchten ein Jugendbuchwochen-Fest für alle veranstalten.

In der Stadt und im Landkreis Celle findet die Jugendbuchwoche alle zwei Jahre statt, und zwar im Anschluss oder auch vor der großen internationalen Autorentagung „Treffpunkt Hannover“. Das hat einen sehr praktischen Grund: Viele Autoren reisen an und sind zu Lesungen bereit, die in der Nähe Hannovers stattfinden. Und wir wiederum können die anfallenden Reisekosten auf ein Minimum reduzieren.

Das Organisationsteam

Die Organisation trägt eine Arbeitsgruppe, die seit vielen Jahren Leseförderung betreibt. Sie setzt sich aus rund 30 Mitgliedern zusammen, die in der Schule, in den Bibliotheken, im Buchhandel, in weiteren Berufen tätig sind oder waren oder sich auch als Elternvertreter engagieren.
Unsere Partner sind alle Öffentlichen Bibliotheken in Stadt und Landkreis, mit ihnen planen wir von Anfang an.

Zeitplanung

Die Celler Jugendbuchwoche findet alle zwei Jahre jeweils im Herbst statt. Schon anderthalb Jahre zuvor verständigt sich der Arbeitskreis im Gespräch mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis e.V. auf die einzuladenden Autorinnen und Autoren und fragt bei ihnen an, ob sie nach Celle kommen wollen. Gleichzeitig wird ein Konzept für die künftige Jugendbuchwoche entwickelt, das bewährte, aber auch neue Veranstaltungen umfasst. Die Sponsorensuche läuft auf Hochtouren.
Dann, gleich zu Anfang des neuen Schuljahres, also ein Jahr vor der Jugendbuchwoche, erhalten alle Schulen, Kitas, Jugendeinrichtungen und Bibliotheken einen Brief, aus dem sie die Planung für die neue Jugendbuchwoche erfahren wie auch die eingeladenen Autorinnen und Autoren.
Ein knappes halbes Jahr später teilen wir dann endgültig die Namen der Autoren mit sowie jeweils einen kurzen Steckbrief zur Person und zum Werk und bitten um die verbindliche Buchung der erwünschten Lesungen. Alle Daten gehen an die Geschäftsstelle des Friedrich-Bödecker-Kreises, die dann auch abschließend die Abrechnung mit den Bestellern und den Autoren übernimmt.
Die Schulen haben zwischen Ostern und den Sommerferien Zeit und Gelegenheit, mit dem Autor oder der Autorin zu korrespondieren, Wünsche anzumelden, Lektüren zu lesen. Klassen können sich selber in einem Brief vorstellen. Diese Vorbereitung ist immens wichtig für ein gutes, nachhaltiges Ergebnis der verabredeten Autorenbegegnung.
Das Programm der Jugendbuchwoche im Einzelnen mit allen öffentlichen Veranstaltungen, an denen Kinder wie Erwachsene teilnehmen können, verschicken und streuen wir erst kurz vor der Jugendbuchwoche.
Der lange Vorlauf hat den Vorteil, dass die Schulen wie auch die anderen Veranstalter gut planen können, sowohl inhaltlich wie auch natürlich finanziell.

Leseveranstaltung anlässlich der Celler Jugendbuchwoche: Der Autor wird vorgestellt.
Celler Jugendbuchwoche: Till Eulenspiegel zieht durch die Stadt.

Das bewährte Programm und manche weitere Idee

Zur Celler Jugendbuchwoche gehört ein großes Familien-Buchrätsel, beim letzten Mal ist es von einer Schülerin erdacht worden. Es liegt in allen Bibliotheken aus und erfreut sich großer Beliebtheit. Als Preise gibt es natürlich Bücher.
An einem der Nachmittage der Jugendbuchwoche zieht Eulenspiegel durch die Stadt und erzählt seinem kleinen und großen Publikum vor dem Schloss, an der ehemaligen Lateinschule und auf dem Markt seine Geschichten, zuletzt vor dem Bäckerladen Rönitz, wo es Eulen-Gebäck gibt.

An einem weiteren Nachmittag ist auf einem zentralen Innenstadt-Platz, dem Großen Plan, ein Vorlese-Zelt aufgebaut, in dem nacheinander acht Autorinnen und Autoren kurze Lesungen veranstalten, denen Groß und Klein kostenlos zuhören kann, Autogramme gibt es auch. Diese Zeltlesungen sind u. a. eine feine Gelegenheit für Lehrkräfte, einen ihnen bislang unbekannten Autor zu erleben. Und wie gut haben die Autorinnen und Autoren bisher immer ihr Probestückchen dargeboten!
In der Stadtbibliothek wird jeweils Raum für die Ausstellung des Werks eines Jugendbuch-Illustrators oder einer -Illustratorin geschaffen – zur Nachahmung sehr zu empfehlen.
Zur Celler Jugendbuchwoche gehören auch die von Schulklassen gestalteten Schaufenster zu den Themen „Bücher“ und „Lesen“, z. B. : „Unsere Lieblingsbücher“, „Unsere Bilder zum Buch“, „Leseorte“, „Wir lesen euch vor“, „Unsere selbstgeschriebenen Bücher“.

Wir bieten schließlich Kinderkino mit Filmen beliebter Kinderbuch-Klassiker und Bilderbuchkino für die Kleinsten an.
Zum Standard-Programm gehört nicht zuletzt eine Fortbildungsveranstaltung zur Didaktik und Methodik der Leseförderung, zu der wir Lehrkräfte und Eltern einladen.
Vorlese-Nachmittage und Bastelaktionen (Drucken, Binden, Faltbücher herstellen) in den Büchereien sind nach Anmeldung frei und kostenlos zugänglich.
Weitere schöne Veranstaltungen, die allen Freude gemacht haben, die aber nur mit besonderen, sozusagen aushäusigen Kräften zu organisieren waren, sind: Kasperltheater in Kitas, Lesungen an besonderen Orten (in der Kinderabteilung des Krankenhauses, in der Sparkasse, in Buchhandlungen), Blütenbau und Pflanzaktion von 1000 und mehr Leseblumen für ein Leseblumen-Feld vor dem Celler Schloss (in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Celle), eine große Abendlesung für Oberstufenschüler und Erwachsene, Szenische Lesungen unter aktiver Beteiligung von Schüler-Theatergruppen sowie die geliebten Schreibwerkstätten.

Celler Jugendbuchwoche: Schaufenstergestaltung.
Celler Jugendbuchwoche: Leseblumen blühen.

Autoren-Willkommen

Alle Autorinnen und Autoren verdienen ein mehrfaches Dankeschön für die Anstrengung, der sie sich unterziehen, vor immer neuen Schülergruppen zu lesen, zu erzählen, zu berichten, sich fragen zu lassen (wie oft sind es die immer gleichen Fragen, die junge Leute eben interessieren) ; manchmal ist auch die Klasse nicht vorbereitet, und es muss irgend etwas improvisiert werden. Wir haben in unseren Jugendbuchwochen etwa 30 Autorinnen und Autoren zu Gast, die insgesamt bis zu 250 Autorenbegegnungen schultern, wofür wir ihnen außerordentlich dankbar sind. Als kleines Dankeschön organisieren wir zu Beginn einen Empfang, so persönlich wie möglich, und jeden Abend während ihrer Anwesenheit einen Stammtisch. Dort können sie aus der Schule plaudern und berichten, und wir Arbeitskreismitglieder – es kommt, wer Zeit hat –  freuen uns mit oder klagen gemeinsam und sinnen auf Verbesserung.

Die Celler Jugendbuchwoche hat viele Schülerinnen und Schüler erreicht und ist auch in der Öffentlichkeit in Stadt und Landkreis gut wahrgenommen worden. Wichtig war und ist, Personen, Institutionen und Initiativen zu sammeln, die während der Jugendbuchwoche mitarbeiten, damit die Jugendbuchwoche ein Fest der Fantasie und Kreativität wird. Wir hoffen, auch in Zukunft nicht enttäuschen zu müssen.

Weitere Informationen im Internet unter: www.jugendbuchwoche.de

Dr. Elke Haas, Celle